Die «Women’s Coalition for the Abolition of Prostitution» begrüsst die Bestrafung der Freier. © WCAP

Die «Women’s Coalition for the Abolition of Prostitution» begrüsst die Bestrafung der Freier.

Kanada will Freier bestrafen

bbm / 11. Jul 2014 - Die kanadische Regierung will den Kauf von Sex verbieten. Vorbild ist die Freierbestrafung in Schweden.

Die konservative kanadische Regierung schlägt vor, Freier mit einer Höchststrafe von 14 Jahren Gefängnis zu bestrafen. Prostituierte sollen hingegen straffrei bleiben, wenn sie eigenständig sexuelle Dienstleistungen anbieten. Ihre Werbemöglichkeiten will die Regierung jedoch einschränken. So soll beispielsweise das Gespräch zwischen Kunden und Prostituierten im öffentlichen Raum nicht erlaubt sein. Und eine Prostituierte darf nur für sich Werbung machen und dafür keine Hilfe einer anderen Person in Anspruch nehmen. Ausstiegswillige Prostituierte will die Regierung in den kommenden fünf Jahren mit 20 Millionen Kanadischen Dollar (14 Millionen Euro, 17 Millionen Franken) unterstützen.

Unterschiedliche Reaktionen

Auch in Kanada ist die Frage umstritten, ob der Staat Freier bestrafen oder die Prostitution vollständig entkriminalisieren und als Erwerbsarbeit anerkennen soll. Die kanadische «Women’s Coalition for the Abolition of Prostitution» begrüsste den Gesetzesvorschlag grundsätzlich. Sie kritisiert die geplanten Einschränkungen bei der Werbung, weil diese die Prostituierten weiterhin kriminalisieren.

«Maggie’s», eine Organisation von Prostituierten in Toronto, lehnt das vorgeschlagene Gesetz ab. Wenn die Regierung Prostituierte wirklich unterstützen wolle, brauche es viel mehr Geld als die versprochenen 20 Millionen Dollar. Zudem dürfe der Ausstieg aus der Prostitution keine Bedingung sein, um staatliche Unterstützung zu erhalten.

Urteil des Höchstgerichtes

Die kanadische Regierung musste ein neues Gesetz vorschlagen, weil das Oberste Gericht Ende letzten Jahres Teile des bisherigen Prostitutionsrechtes für verfassungswidrig erklärt hatte. Grund dafür waren die Verbote von Bordellen, des Strassenstrichs und der Zuhälterei. Diese Verbote verletzten die Rechte auf Leben, Freiheit und Sicherheit, sagte das Höchstgericht. Es gab dem Gesetzgeber ein Jahr Zeit, um ein neues Gesetz vorzulegen. Geklagt hatten drei Prostituierte, die das Urteil damals als Sieg feierten. Ihre Hoffnung, dass Prostitution in Kanada vollständig entkriminalisiert wird, hat sich mit dem Gesetzesvorschlag der Regierung zerschlagen.

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