Renee Rabinowitz hatte Erfolg mit ihrer Diskriminierungs-Klage. © J. Steinbeg

Renee Rabinowitz hatte Erfolg mit ihrer Diskriminierungs-Klage.

Gericht beendet Mobbing von Fundamentalisten

fs / 04. Jul 2017 - Ein Mann wollte im Flugzeug aus religiösen Gründen nicht neben einer Frau sitzen. Sie musste den Platz wechseln und erhält jetzt wegen Diskriminierung eine Entschädigung.

In Flugzeugen der israelischen Fluggesellschaft El Al weigern sich immer wieder ultraorthodoxe jüdische Passagiere, neben Frauen zu sitzen. Die Crew-Mitglieder fordern in der Regel die Frauen auf, ihren Platz zu wechseln. Jetzt hat der Jerusalem Magistrate Court diese Praxis beendet, berichtet die «Times of Israel». Unter «wirklich keinen Umständen» müsse eine Passagierin den Platz wechseln, weil der Sitznachbar wegen des Geschlechtes nicht neben ihr sitzen will, sagte Einzelrichterin Dana Cohen-Lekah in ihrem Grundsatzentscheid. Diese Praxis sei diskriminierend und damit rechtswidrig.

Aussergerichtliche Einigung

Über eine Entschädigung einigten sich El Al und die Klägerin aussergerichtlich: Die Fluggesellschaft muss der Klägerin eine Entschädigung von 1600 Euro wegen Diskriminierung zahlen. Zudem muss sie in kurzer Frist die internen Vorgaben für Flugzeugbesatzungen überarbeiten. Neu müssen Crew-Mitglieder grundsätzlich für denjenigen Passagier einen anderen Sitz finden, der unzufrieden ist und nicht für die unerwünschte Sitznachbarin.

«Herabgesetzt» gefühlt

Geklagt hatte die über 80-jährige Professorin Renee Rabinowitz, mit Unterstützung des Israel Religious Action Center (IRAC), einer Rechtshilfe- und Lobbyorganisation des Reformjudentums. Rabinowitz hatte in einem El Al-Flugzeug den Platz wechseln müssen, weil ihr Sitznachbar aus religiösen Gründen nicht neben einer Frau sitzen wollte. Sie habe sich «herabgesetzt» gefühlt, sagte sie der «New York Times». Ihre Nachforschungen ergaben, dass es grundsätzliche El Al-Politik ist, die Forderungen der Ultraorthodoxen zu erfüllen. Die frühere Rechtsanwältin reichte deshalb Klage gegen El Al ein. Über das Urteil äusserte sich Rabinowitz sehr zufrieden. Ihr sei es nicht um das Geld gegangen, sondern darum, dass El Al die Vorgaben für Flugzeugbesatzungen ändern muss. Sie hoffe, es noch selber einmal zu erleben, dass eine Stewardess einem ultraorthodoxen Mann sagt, es sei gesetzlich verboten, die unerwünschte Sitznachbarin zu entfernen.

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