Daisy Trump versus Hilario Clinton

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Barbara Marti / 23. Jan 2017 - Frage: Hätte eine Daisy Trump die Wahl gegen einen Hilario Clinton gewonnen und wäre neue US-Präsidentin geworden?

Man stelle sich vor: Milliardärin und Unternehmerin Daisy Trump hat im Wahlkampf gelogen und Menschen diskreditiert. Männer beurteilt sie nach ihrem Aussehen und greift ihnen gern gegen ihren Willen zwischen die Beine. Über Menschen mit einer Behinderung macht sie sich öffentlich lustig. Im Wahlkampf hatte sie ihren Gegenkandidaten Hilario Clinton als Teufel bezeichnet, den sie ins Gefängnis werfen werde, sollte sie die Wahl gewinnen. «Sperr ihn ein» und «Trump that limp-dick» (übertrumpf diesen Schlappschwanz) riefen ihre Anhängerinnen im Wahlkampf.

Daisy

Daisy Trump wird gewählt. Sie sei eben nicht Teil der Elite, die das Volk nicht mehr verstehe, sagen viele. Als Unternehmerin werde sie Arbeitsplätze in die USA zurückholen. Sie sei entscheidungsfreudig und sage, was sie denke. Vor und nach der Wahl glänzt Daisy Trump mit Wissenslücken: Sie sagt unter anderem, Belgien sei eine Stadt und die Nato habe 22 statt 28 Mitglieder. Die EU ist für sie nicht ein Friedensprojekt, sondern ein Unternehmen, das gegründet wurde, um den USA wirtschaftlich zu schaden.

Hilario

Der unterlegene Kandidat Hilario Clinton hingegen hatte zielstrebig an seiner politischen Karriere gearbeitet. Mit seiner Kandidatur wollte er Jungen zeigen, dass sie alles werden können, wenn sie sich trauen und hart arbeiten. Im Wahlkampf setzte er auf Fakten und forderte unter anderem gleiche Löhne für Mann und Frau, einen besseren Vaterschutz und mehr Rechte für Minderheiten. Hilario Clinton hat jahrzehntelange Erfahrung in der Politik, auch als Minister. Doch im Wahlkampf hiess es, diese Erfahrung sei kein Vor-, sondern ein Nachteil. Hilario Clinton gehöre zur Elite, die das Volk nicht mehr verstehe. Zudem sei er zu ehrgeizig, wirke unnahbar und langweilig.

Realität

Zurück zur Realität: Das Geschlecht habe bei der US-Wahl keine wichtige Rolle gespielt, hiess es in vielen Kommentaren. Hillary Clinton sei einfach die falsche Kandidatin gewesen. Doch nicht nur die Wahl in den USA zeigt: Die Fähigkeiten von Frauen gelten oft als unpassend für ein wichtiges politisches Amt. Mal sind sie zu qualifiziert, zu ehrgeizig, zu laut, unnahbar und kühl. Ein anderes Mal heisst es, sie hätten zu wenig Erfahrung, seien zu emotional, zu zögerlich und zu weich. Hillary Clinton sagte nach der Wahl: «Ich weiss, wir haben die höchste und härteste gläserne Decke immer noch nicht durchbrochen, aber eines Tages wird jemand das tun, hoffentlich früher, als wir jetzt glauben.»

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2 Meinungen

Gratulation für diesen witzig formulierten und treffenden Vergleich. Gleichzeitig wurden die obszönen Tatsachen kurz und bündig vermittelt und die Situation sowohl sach- als auch gendergerecht in Form gebracht. Danke, ein Lichtblick in der sonst oft süffisanten Berichterstattung in den Medien, die die Gelegenheit gerne nutzen um mit ihrer Berichterstattung Trumps Äusserungen zu Publikum zu verhelfen. Oft nutzen sie es wie ein «gefundenes Fressen".
Gerne lese ich noch mehr solcher «Glossen» nur hoffe ich sehr, dass der Trumpator bald von der Bühne verschwindet.
Martha Beéry, am 23. Januar 2017 um 10:56 Uhr
Danke für diesen treffenden Kommentar. Leider haben wir vor einer Woche bei der Wahl ins Stadtpräsidium von Bern wieder erlebt, wie eine hochqualifizierte und erfahrene Frau nicht gewählt wurde. Ihr wurde nicht etwa vorgeworfen, dass sie «zu emotional, zu zögerlich und zu weich» sei, sondern genau das Gegenteil. Für viele Wählende gilt halt noch immer: Hauptsache, keine Frau! Anna Sax
Anna Sax, am 23. Januar 2017 um 11:27 Uhr

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